Zero Waste

Zero Waste bedeutet für uns:

  • kein Verpackungsmüll
  • kein Plastik im Haushalt
  • keine Verschwendung

Diese 3 Punkte, die eine eher kurze Liste ergeben, könnte ich hier einfach so stehen lassen. (Dann wäre dieser Post sehr minimalistisch – ich wäre jetzt fertig und könnte ganz entspannt meinen Kaffee trinken und mir die Frühlingssonne auf die Stirn scheinen lassen. ) Aber ich werde mal versuchen zu erklären was die Umsetzung dieser Punkte in meinem Alltag bedeutet.

Kein Verpackungsmüll

Das meiste was über kurz und lang in deutschen Müllabfuhrautos landet sind Verpackungen. Der meiste Verpackungsmüll fällt in der Küche an. In einem normalen Supermarkt ist alles in Plastik, Karton, Alufolie oder einer beliebigen Kombination der drei eingepackt. Warum? Weil fast alles, was man in einem normalen Supermarkt kaufen kann aus einer Fabrik  kommt – Weizenkörner wurden verarbeitet zu Nudeln, Müsliflocken, oder Weissmehl; Zuckerrüben zu Puderzucker; Milch zu Joghurt und Käse. Und wie praktisch, das die lebensmittelverarbeitende Industrie so nette Portionen für dich abpackt, alles super duper einzeln verpackt und hygienisch, quadratisch, praktisch, gut damit es sich schön im Kühlschrank stapeln lässt…

Das einzig unverpackte sind in der Regel Obst und Gemüse.

Obst und Gemüse sind nicht verpackt, weil sie nicht verarbeitet wurden. Die meisten Gemüsesorten könnten genauso gut aus meinem Garten kommen – wenn ich das 1m lange Grün vom Fenchel abschneide sieht er seinem Kollegen aus dem Laden zum Verwechseln ähnlich. Eine von Michael Pollans 64 Grundregeln ESSEN (Amazon Link) lautet „Iss nichts was in einer Verpackung ist“. Als wir unsere Ernährung zu gesünder umgestellt haben war es nur ein kurzer Lernschritt vom Alle-Zutatenlisten-lesen und dann das kleinste Übel mitnehmen zu Obst-und-Gemüse-in rauen-Mengen mitnehmen und dann fertig sein mit dem Wocheneinkauf. Zeitersparnis: gewaltig. Gesünder? Aber sowas von! Selber gekocht aus frischen Zutaten sticht jedes Convienience Food mit E 230-285 um Längen. Ausserdem haben wir keinen Kühlschrank mehr, in dem wir die meist gekühlten Produkte stapeln könnten.

 Was? Ihr habt keinen Kühlschrank?

Nein. Brauchen wir auch nicht. Da wir uns Paleo ernähren fällt bei uns nichts an, was gekühlt werden müsste.  Obst sollte sowieso nicht gekühlt werden, und die meisten Gemüsesorten halten sich relativ lange bei Zimmertemperatur. Wenn ich nur dran denke wieviele Leute Tomaten im Kühlschrank quälen wird mir ganz anders. Brrrrr…

Empfindliches Obst (wie z.B. die Himbeeren, die meine Ma mir tonnenweise aus dem Garten mitbringt) werden entweder gleich vernascht oder eingefroren (Himbeeren mit Honig pürieren – leckerstes Sorbet ever). Am besten ist der Sommer in der Gartenhochsaison – direkt vom Beet auf den Teller.

Das Fleisch, das wir regelmäßig von unserem Galloway Rinderhirten geliefert bekommen, ist fast das einzige, was bei uns für Verpackungsmüll sorgt: denn 60kg feinstes Weiderind Fleisch müssen irgendwie in handhabbare Portionen eingefroren werden. Gefrierbeutel – da brauchen wir wirklich noch gute Alternativen.

Und falls wir doch mal etwas kühl halten müssen (ohne es gleich einzufrieren) nehmen wir ein paar Kühlakkus aus der Gefriertruhe und legen diese mit dem Kühlgut in eine Isolierbox (Sommer) oder stellen den verschlossenen Behälter unten ins Treppenhaus (Winter).

Verpackungen und Gesundheit

Mal abgesehen vom Inhalt ist auch schon die Verpackung an sich nicht besonders gesund. Die meisten Verpackungsfolien aus Plastik werden in China unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt. Und was sich da so eng an dein Hüftsteak schmiegt (unten Styrofoam und oben drüber durchsichtige Folie) kann durchaus garstige Chemikalien ausdünsten und an dein Essen abgeben.

Schon mal stilles Wasser aus einer Plastikflasche getrunken welche in der Sonne gestanden hat? BÄH. Da ist es doch viel besser Leitungswasser aus einer KleanKanteen zu trinken: kein Kistenschleppen, keine Pfandflaschensammlung.

Selbst bei den so nachhaltig ausschauenden Kartonverpackungen ist man nicht auf der sicheren Seite – die fröhlichen bunten Farben auf den Kartons (und die Reste der Farben im Recylingkarton) geben Mineralöle an die Penne ab. Da kann man ja gleich am Autoauspuff lecken.

Genauso lecker sind Konservendosen: von innen mit Epoxidharz beschichtet geben sie Weichmacher wie BPA an dein Essen ab. Die einzige Verpackung, die wir beim Einkaufen noch in die Hand nehmen sind Gläser. Glas kann recycelt werden und gibt keine unerwünschten Stoffe frei. Da die Deckel meist von innen beschichtet sind, achten wir auf das Pano Blue Seal. So kaufen wir einige wenige Produkte im Glas: Kapern, Senf, Gewürze, Thunfisch…

Kein Plastik im Haushalt

Plastik ist gefährlich für uns und für die Umwelt. Plastik (basiert auf Erdöl) kann  nicht abgebaut werden und wird immer da sein – wenn sich nicht irgendein Pilz oder Bakterium findet was diesen Plastikberg auffrisst wird uns unser Plastik um Jahrhunderte überleben.

Deswegen haben wir versucht Plastikgegenstände aus unserem Haushalt zu verbannen. Für die meisten Dinge gibt es plastikfreie Alternativen – entweder aus Holz (kann kompostiert oder verbrannt werden) oder aus Metall (kann recycelt werden).

Hier zur besseren Übersicht aufgeteilt nach Bereichen die Alternativen:

Plastik vermeiden der Küche:

  • Spülbürste aus Metall, Wechselkopf aus Holz mit Naturborsten
  • Schneidebretter aus Holz
  • Pfannenwender, Utensils aus Holz (für Gusseiserne Pfannen) oder Metall
  • Abtropfsieb aus Metall
  • Wasserkessel aus Metall statt Wasserkocher aus Plastik – in Verbindung mit der Induktionsplatte schneller und längere Lebensdauer
  • Glas oder Edelstahlbehälter zur Aufbewahrung statt Tupperdosen
  • French Press aus Metall statt Kaffeemaschine (die regelmäßig kaputt geht)
  • Einkaufskorb oder Leinenbeutel dabei – und du brauchst nie wieder eine Plastiktüte für deinen Einkauf

Plastik vermeiden im Bad:

  • Zahnbürsten aus Holz mit Naturborsten
  • Klobürste aus Holz
  • WC-Sitz aus Holz
  • Duschvorhang aus Plastik ersetzen durch Glaswand
  • Rasierhobel ersetzt Wechselklingensystem oder Einmalrasierer

Plastik vermeiden im Schlafzimmer:

  • Kleiderbügel aus Holz statt Plastikbügel
  • Bei Kauf von neuer Kleidung auf Naturstoffe achten: Baumwolle, Leinen, Hanf. Diese sind oft robuster und immer hautfreundlicher als Polyesterbasierte Kleidung. Fleece wird aus recycelten Kunststoffen hergestellt und obwohl Recycling eine tolle Sache ist gibt die warme Fleecejacke bei jedem Waschvorgang Mikropartikel aus Plastik ans Wasser ab, die sich in Meeresbewohnern ansammeln. Baumwolle lässt sich kompostieren, vor allem wenn sie mit biologisch abbaubaren Farben gefärbt wurde.
  • Teppiche aus Naturfasern wählen: Schurwolle statt Polypropylen

Für einige Plastikgegenstände gibt es noch keine wirklichen Alternativen: Handy, Waschmaschine, Computer, Föhn. Die sind auch bei uns immer noch aus Plastik, leider.

Keine Verschwendung

Keine Ressourcen zu verschwenden ist für uns besonders wichtig. Dieser Punkt beinhaltet z.B. Wasser und Stromverbrauch. Aber auch viel mehr – wir versuchen durch Minimalismus und Konsumdiät unseren ökologischen Fussabdruck so klein wie möglich zu halten und dabei gleichzeitig unsere Lebensqualität zu steigern. Wie das geht? Lerne die kleinen und wirklich wichtigen Sachen zu schätzen.

Konsumdiät

 

Eine Konsumdiät kann dir freie Zeit schenken, du sparst meist Geld (für das wir alle hart arbeiten müssen) und du wirst dadurch glücklicher. Ein Beispiel:

Anstatt den ganzen Samstag mit 3 Freundinnen durch überfüllte Einkaufsstraßen zu stressen mit schweren Tüten voll neuer Klamotten (was Zeit, Geld, und Entscheidungswille kostet) trifft man sich gemütlich zum Brunch zu Hause.  Zeit, die man mit Gesprächen und gutem Essen und tollen Menschen verbringt, wo man sich wirklich austauscht anstatt in der Anprobe die neuesten Jeans-Styles diskutiert (passt die Jeans zu meinem Arsch oder nicht?). Vielleicht bin ich ja vorbelastet – aber ich persönlich kann mir nichts schlimmeres vorstellen als einen ganzen Samstag shoppen zu müssen. Und ja – ich verstehe dass wir uns alle schützende Stoffe auf die Haut schichten müssen seitdem Homo Sapiens das Fell verloren hat, aber jede Woche 2 neue T-Shirts, nen Pulli und die süße Handtasche braucht kein Mensch. Je voller der Schrank, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man nichts zum Anziehen findet. Überwältigt von den Möglichkeiten.

Alex und Ich haben eine gemeinsame Liste mit materiellen Dingen die wir gerne hätten. OMG Konsumgüter!!! Jawohl. Wir schreiben auf was wir für welchen Bereich kaufen wollen und legen die Liste dann weg.  Jedes Jahr holen wir die Liste etwa 3-4 Mal raus, gehen die Wunschpunkte durch und evaluieren was wir noch haben wollen und was gestrichen werden kann weil sich unsere Wünsche durch Warten geändert oder in Luft aufgelöst haben. Anstatt immer direkt zu kaufen wonach uns der Sinn steht wägen wir sehr genau und lange ab.

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